Geschichte der Bademode

Baden in der Antike

Frauen im Bikini im alten Rom

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Baden war für die alten Römer, die gerne Thermen besuchten, ein Teil der Kultur und gehörte zum täglichen Leben. Auch für geschäftliche Anlässe wurden gerne Thermen bzw. Badehäuser aufgesucht, wo man sich fernab der Öffentlichkeit in entspannter Atmosphäre austauschen konnte. Die Baderäumlichkeiten waren nach Geschlechtern getrennt. Gebadet wurde hierbei meist nackt, wobei durch Ausgrabungen frei gelegte Bilder Mädchen in zweiteiligen Kleidungsstücken zeigten, die den heutigen Bikinis sehr ähnlich sehen. Nach dem Untergang des Römischen Reiches und damit einem Großteil der Römischen Kultur gerieten die Badekultur und damit auch die Badebekleidung für eine längere Zeit in Vergessenheit.

Aus der Vergangenheit ist überliefert, dass es unsere Vorfahren mit dem Baden meist nicht so genau nahmen, jedoch die wohltuende Wirkung des Wassers bereits den Germanen bekannt war. Wasser schätzte man insbesondere als hilfreiches Mittel gegen Krankheiten. Bademode war ihnen jedoch noch fremd und man badete nackt.

Bademode & Badekultur im Mittelalter

Im Mittelalter – zumindest bis zum 16. Jahrhundert erlebte die Badekultur eine Renaissance, denn die Kreuzfahrer entdeckten während ihrer Kreuzzüge die Badekultur in den islamischen Ländern wieder und brachten sie schließlich mit nach Europa. Das Mittelalter stellt sich in Zeichnungen und Holzschnitten als sehr badefreudig dar und hierbei fallen nicht nur höfische Szenen ins Auge. Verglichen mit der römischen Badekultur war diese neue Badekultur jedoch noch sehr rückständig. Gebadet wurde überall und ohne Ansehen des Standes. Gebadet wurde meist in sog. Badestuben, in denen Männlein und Weiblein oftmals gemeinsam im selben Becken badeten. Bademode im heutigen Sinn gab es hierbei nicht. Die Badegäste waren im Schwitzbad meist völlig nackt, für das Wasserbad verwendeten Frauen jedoch teilweise ein Kleidungsstück genannt Badehr. Dies war eine Art leichte Schürze, die man sich um den Hals band, den Rücken jedoch frei ließ. Männer trugen wie man manchen Darstellungen entnehmen kann teilweise so genannte „Badehemden“ oder eine Art Badehose.

Ende des 16. Jahrhundert ebbte der „Badeboom“ dann auf Grund von immer strenger werdenden Regeln und Vorschriften für den Umgang zwischen Männlein und Weiblein in den städtischen Badestuben immer mehr ab. Zudem drohte nach den Pestepidemien des 14. und 15. Jahrhunderts eine neue Seuche – die Syphilis, welche spanische Söldner aus Südamerika nach Europa eingeschleppt hatten.
Immer mehr Badehäuser, Schwitzhütten und Dampfbäder mussten schließen und auf Grund des Aufwandes, den ein privates Bad mit sich brachte – Wasser heranschaffen, erwärmen und heiß umfüllen – kam das Baden im 17. Jahrhundert sowohl in der Öffentlichkeit als auch zu Hause langsam aus der Mode.

Bademode während des Rokoko und der Aufklärung

Während des Rokoko (etwa 1730 – 1780) maß man Baden nur eine geringe Bedeutung bei. Insbesondere der Adel zog Puder und Parfum der Reinigung mit Wasser vor. Fürsten dieser Zeit statteten Ihre Schlösser zwar teilweise mit beeindruckenden Bädern aus, diese dienten jedoch vornehmlich Repräsentationszwecken.

Seltsamerweise begaben sich die edlen Damen und Herren zur Zeit des Rokoko ins Wasser kleiner Seen, Flüsschen oder in die Schlossteiche. Jedoch waren sie hierbei völlig bekleidet. Spezielle Badekleidung existierte nicht, ohne Kleidung zu baden war jedoch undenkbar.

Während des 18. Jahrhunderts und auch schon vorher entwickelten sich in vielen Ländern Europas Kurzentren, an denen sich insbesondere die Elite der Gesellschaft traf um in den Genuss der wohltuenden Wirkung von Heilwasser und heißen Quellen zu kommen aber auch um sich unterhalten zu lassen. In jener Zeit entwickelte sich das englische Bath zum größten Badeort in Europa. Im Herbst und Winter – während der Hauptsaison kamen damals etwa 8.000 Gäste in den beschaulichen Ort um neben den heilenden Quellen das reichhaltige Kultur- und Unterhaltungsprogramm zu genießen. Damals wie heute ging es in der verordneten Kur nicht nur um die körperliche Genesung, sondern auch um seelisches Wohlbefinden und körperliche Schönheit, was man heute als „Wellness“ bezeichnen würde. Im Zuge dessen entstand auch zunehmend die Notwendigkeit von Bademode. Jedoch war es aufgrund der sittlichen und moralischen Vorstellungen für Frauen und Männer unvorstellbar, in der Öffentlichkeit bloße Haut zu zeigen weshalb die damaligen Badekostüme eher an Schlafgewänder als an Bademode wie man sie heute trägt erinnert.

Das Badewesen entwickelte sich und schließlich entstand auch in Deutschland das erste Seebad. Die Kur in den neuen Seebädern war jedoch in den Anfängen nur einer elitären Schicht vorbehalten. Die Kurreisenden legten ein äußerst prüdes Verhalten an den Tag und badeten abgeschirmt von den Augen anderer. Frauen trugen damals sogar Gewichte an den Baderöcken um ihre Beine beim Auftrieb bedeckt zu halten. Zum Badekleid oder Baderock gehörten üblicherweise ein Hut – meist über einer Badehaube getragen – Badestrümpfe sowie ein Korsett. Ans Schwimmen dachten die Damen damals eher nicht und gingen daher auch nur bis zu den Knien ins Wasser.

Um sich vom Rest der Bevölkerung abzuheben, war die Badekleidung der Elite bzw. der Adligen entsprechend der Zeit etwas anders. So schmückten die Badekleidung der Reichen oftmals Goldknöpfen oder auch Rüschchen. Da man sich bereits damals vor der Sonne schützen wollte – auch um die vornehme Bleiche zu bewahren – trugen die vornehmen Damen helmartige Stroh- oder Stoffhüte. Jedoch war die Bademode immer noch streng mit moralischen Vorstellungen verbunden und Freizügigkeit verpönt. So wurde beispielsweise im Jahr 1907 wurde die australische Wettkampf-Schwimmerin Annette Kellermann am Strand von Boston wegen „anstößiger Enthüllungen“ verhaftet. Ihr Vergehen: Der nasse Schwimmanzug eine Art Ganzkörperbody – zeigte ihre Figur. Anne Kellermann könnte als Schöpferin des Badeanzugs gesehen werden. Diese Einteiler wurden jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg in 20er Jahren populär, nachdem die strengen Bekleidungsvorschriften etwas lockerer geworden waren. Allerdings gab es zu dieser immer noch viele Badeanstalten, in denen Frauen ihre Figur zusätzlich durch einen Rock verdecken mussten, um nicht zu viel Bein zu zeigen.

Im März 1926 gab es großen Aufruhr unter den sittsamen Bürgern. Im Berliner Sportpalast fand eine Art Modenschau statt, bei der Badenzüge vorgeführt wurden. Beispielsweise wurden die weiblichen Brustwarzen hier unerhörter Weise nur durch verlängerte Träger bedeckt – was großes Aufsehen erregte. Die Damen liefen vor dem Publikum in hohen Stöckelschuhen in Strapsen mit Seidenstrümpfen, was noch viel schockierender war, auf und ab. Tief ausgeschnittene Einteiler stellten dem weiblichen Geschlecht eine völlig neue Bademode in Aussicht.

Und so gab es 1932 im sittenstrengen Deutschland den sog. Zwickelerlass, Beleg der peinlichen Regulierungswut der Politiker der Weimarer Republik. Der Berliner Beamte Franz Bracht versuchte dadurch die Freizügigkeit an den Stränden Preußens per Gesetz zu verbieten. Zudem untersage er per Notverordnung das öffentliche „Nacktbaden“ sowie das „Baden in anstößiger Badekleidung“.

Bademode nach dem 2. Weltkrieg

Nach Ende des 2. Weltkrieges im Zuge der Besetzung Deutschlands durch die Amerikaner nahm der amerikanische Einfluss auf Europa auch in der Bademode zu. Freizügigkeit wurde immer populärer und die Moralvorstellungen und Sitten weichten auf. Und so kam 1949 der Bikini nach Deutschland und war von da an fester Bestandteil deutsche Badekultur und Bademode. Vor allem Bikinis mit Spaghetti-Träger entwickelten sich in der damaligen Zeit zum Renner.

Spätestens als Ursula Andress in James Bond jagt Dr. No in einem weißen Bikini mit Gürtel dem Meer entsteigt, wurde der Bikini fixer Bestandteil der Bademode. Mit ihrem gewagten Auftritt im „Dr. No Bikini“ eröffnete sie den Frauen in aller Welt reizvolle Perspektiven im Bademodendesign.
Neu entwickeltet Materialien, wie beispielsweise Nylon, machten Bademode-Design immer leichter und schufen neue Kreationen.